Der Hobbit – oder wie die Filmindustrie tickt

000610-567x640Fans der „Herr der Ringe“-Filme freuen sich bestimmt schon auf „Der Hobbit“. Was gibt es schöneres als Abenteuer in Mittelerde zu erleben und endlich die Vorgeschichte zu epischen Trilogie in Bild und Ton zu genießen.

Ich jedoch frage mich, wie man aus einem 300 Seiten starken Kinderbuch eine Filmtrilogie mit überlangen Filmen basteln kann, und vor allem: Warum?

Wenn man die Bücher betrachtet erkennt man schon alleine optisch, daß „Der Hobbit“ nie und nimmer den gleichen Umfang erreicht wie „Die Gefährten“, „Die 2 Türme“ und „Die Rückkehr des Königs“ zusammen.

Die Antwort liegt (für mich) auf der Hand: Geldgier. Warner, das Studio das jetzt aus diesem einfachen Kinderbuch eine epische Trilogie basteln will, lehnte es damals ab, die Herr der Ringe Trilogie zu finanzieren. Die Independent-Filmproduktions- und Vertriebsgesellschaft New Line Cinema, damals schon Teil von Time Warner, hatte innerhalb des Konzerns jedoch grosse Freiheiten und war relativ unabhängig.

New Line wandte sich damals an die Muttergesellschaft, die meinte: „Hey, wir haben Harry Potter, der wird sowieso viel erfolgreicher, von uns bekommt ihr kein Geld. Beschafft euch die Mittel selber, dann könnt ihr gern eure Filme machen, mit uns jedoch nicht“.

Darauf hin verkaufte New Line die Rechte im Voraus an 25 kleine meist unabhängige Vertriebs- und Verleihgesellschaften weltweit, die teilweise auch die Marketingkosten in den jeweiligen Ländern übernahmen. So wurden rund 65% des Filmbudgets aufgebracht. Der Rest der Geschichte ist hinlänglich bekannt. Die Trilogie war ein Riesenerfolg und brachte den kleinen Filmgesellschaften Unmengen an Geld, wodurch auch einige Independent-Produktionen erst ermöglicht wurden.

Nun aber zurück zum Hobbit. Da Harry-Potter endgültig zu Ende ist, braucht Warner natürlich eine neue Cash-Cow. Nach einigen Misserfolgen (Der goldenen Kompass, Hairspray..) ist New Line mittlerweile zu 100% in Warner eingegliedert und hat seine Eigenständigkeit verloren. Die Rechte am Hobbit liegen dadurch bei Warner. Was liegt da näher als an den Erfolg von Herr der Ringe anzuknüpfen. Bei Harry Potter hat man ja gelernt, wie man aus einem (zugegebenermaßen sehr umfangreichen) Buch gleich 2 Filme macht und die Fans dann auch 2 mal zu Kinokasse bitten kann. Warum dann nicht aus einem gut 300 Seiten starken Kinderbuch gleich 3 Filme produzieren. Die Kinokassen werden klingeln.

Nichtsdestotrotz habe ich den Film sehr genossen. An manchen Stellen wirkt er sehr langatmig und gerade im Kino wurde mein Sitzfleisch schon sehr strapaziert. Im Vergleich zu den Herr der Ringe Filmen merkt man ganz deutlich, daß manche Szenen künstlich gestreckt wurden (z.B. das Festgelage in Bilbos Haus) um dem Film seine „epische“ Länge zu geben. Wäre meiner Meinung nach nicht notwendig gewesen.